Wege zu einer Spiritualität der Basileia
„Ich sah den Satan wie einen Blitz vom Himmel fallen“ – diese Vision einer großen Befreiung (vgl. Lk 10,18) lässt Jesus zum Boten der Basileia werden. Er wendet sich von der Gerichtspredigt des Täufers ab und verkündet, dass die Macht des Bösen jetzt gebrochen ist: Das Entscheidende ist bereits geschehen, der Satan auf dem Rückzug. Jesus treibt „mit dem Finger Gottes“ Dämonen aus und nimmt dem Bösen, das jetzt gebunden und besiegt ist, „seine Waffen“ weg, um „die Beute“ zu verteilen (vgl. Lk 11, 20 ff). Wie der Bote, der bei Jesaja die Endzeit verkündet und zu Zion sagt: „Dein Gott ist König!“ (vgl. Jes 52,7), so bezeugt Jesus, dass Gott seine Herrschaft der Liebe und der Erlösung jetzt auf der Erde durchsetzen wird.
Das „König-Sein Gottes“ (= Basileia tou theou), oft als „Reich Gottes“ übersetzt, ist der Schlüsselbegriff der Botschaft Jesu. Mit ihm bezeichnet Jesus eine „Tiefendimension“ der Wirklichkeit, die als Potential immer schon vorhanden ist: Wer sich auf die Dynamik der Basileia einlässt, erfährt, dass der Augenblick, der alles verändert und der alles enthält, schon jetzt das Leben verwandelt.
Die Spiritualität der Basileia
Die „Umkehr“, zu der Jesus auffordert (vgl. Mk 1,15b par), zielt darauf ab, sich immer stärker durch die Gewissheit der Basileia verändern zu lassen. In seinen Gleichnissen ermutigt Jesus zum „Sprung“ in diese „größere Wirklichkeit“ und setzt dabei auch auf die Kraft der Imagination: Wie würde dein Leben aussehen, wenn du nichts zu verlieren, aber alles zu gewinnen hättest? Wie würdest du mit deiner Angst umgehen, wenn du sicher sein könntest, dass dir im Letzten nichts wirklich schaden kann? Wie würdest du den Menschen begegnen, wenn du dir sicher wärest, dass sich in jeder Begegnung das „Reich Gottes“ ereignen kann?
Die Botschaft der Gleichnisse
Um deutlich zu machen wie „Gott die Welt sieht“, verwendet Jesus keine Lehrsätze oder Glaubensformeln, sondern er erzählt einfache Geschichten, die auf den ersten Blick sehr vertraut wirken. Gerade aber, wenn alles so selbstverständlich wirkt, wird das „Selbstverständliche“ durchbrochen und das Alltägliche unter die Perspektive der Basileia gestellt. Von Gott ist dabei immer nur indirekt die Rede; denn der Gott, von dem Jesus erzählt, wird dann erkennbar, wenn man sich auf sein Wirken einlässt.
Beim „Gleichnis vom Sämann“ könnte man sich darüber wundern, wie nachlässig hier mit den in Palästina so wertvollen Samenkörnern umgegangen wird: Sie fallen auf den Weg und werden zertreten oder von den Vögeln gefressen, sie fallen auf Felsen und verdorren, sie fallen unter die Dornen und werden erstickt. Ein Teil aber fällt auf guten Boden und bringt „hundertfache Frucht“ (vgl. Lk 8, 5-8 par). – Diese kurze Geschichte rechnet mit dem Ärger, der Empörung und der Sorge der Zuhörer und setzt die Botschaft dagegen: Ganz gleich wie bedenklich es aussieht, es geht im Letzten gut aus! Weil das „gute Ende“ jetzt schon feststeht, ist es nicht nötig, sich um das verlorene Saatgut zu grämen. Die „Zukunft Gottes“ beginnt dort, wo ich auf „hundertfache Frucht“ vertraue – auch gegen den Augenschein.