Im Frühjudentum spielen apokalyptische Vorstellungen eine große Rolle. Allgemein herrscht die Überzeugung, dass das Ende der Welt unmittelbar bevorsteht. Geheime Offenbarungen kündigen die Gräuel, Schrecken und Katastrophen an, die über die Menschheit hereinbrechen werden; furchterregende Zeichen am Himmel und unerklärliche Vorkommnisse erzeugen immer größere Angst und Panik. Und hinter all diesen Drohungen steht ein Gott, der voller Zorn auf die Menschheit sieht: Ein strenger Richter, dessen Gerechtigkeit nach Genugtuung verlangt, der Vergeltung übt und Vernichtung bringt und – wenn überhaupt! – nur ganz wenige Auserwählte im Gericht bestehen lässt.
Johannes der Täufer ist ein solcher Prediger des kommenden Gerichtes: Niemand kann sich sicher sein, dass er gerettet wird. Nur radikale Umkehr, konsequente Askese und die Unterwerfung unter die Botschaft und die Taufe des Johannes bieten ein wenig Hoffnung, der drohenden Vernichtung zu entgehen.
Jesus, der sich zunächst der Bewegung des Täufers angeschlossen hatte, wendet sich dann von der apokalyptischen Drohbotschaft ab. Seine Vision vom Satan, der „wie ein Blitz vom Himmel fällt“ (vgl. Lk 10, 18f) bedient sich zwar noch der Sprache der Apokalyptik, stellt aber den Beginn seiner Verkündigung der bedingungslosen Zuwendung Gottes dar: Der Kampf zwischen Gott und dem Bösen ist entschieden, Gott hat sich durchgesetzt. Jetzt beginnt auf der Erde eine Offensive der Liebe und der Vergebung, die Jesus das „Reich Gottes“ nennt.
Im Widerspruch dazu finden sich in der neutestamentlichen Tradition dann wieder zahlreiche apokalyptische Elemente: Theologisch überformt z.B. in der Christologie der Q-Gruppe, die Johannes den Täufer als den sieht, der den „Menschensohn“ angekündigt hat. Durch das Osterereignis ist dieser Gruppe klar geworden, dass es Jesus ist, der nun bald vom Himmel her als der „Menschensohn“ wiederkommen wird um Gericht zu halten und die zu belohnen, die sich zu ihm bekannt und in der Bedrängnis standgehalten haben.
Das Ausbleiben der erwarteten Wiederkunft Christi fördert dann zusätzlich endzeitliche Ängste. Das „apokalyptische Flugblatt“ (Mk 13,14ff) das die „Drangsale“ der letzten Tage sehr eindrücklich schildert, nimmt Markus in sein Evangelium auf und verbindet es mit den Themen der „unverhofften“ Ankunft des Menschensohnes als Weltenrichter und der Mahnung zu ständiger Wachsamkeit.
Betrachtet man die Entwicklung der christlichen Tradition in der frühen Kirche, die Theologie der Kirchenväter und dogmatische Aussagen bis in die Neuzeit hinein, so findet sich dort in der Form der „kirchlichen Glaubenslehre“ mehr „Apokalypse“ als Heilsbotschaft; der Gott der Rache und des Zorns nimmt darin mehr Raum ein als der Jesus verkündete Gott der bedingungslosen Liebe. Die Furcht vor dem Ende der Welt spielte in manchen Phase der Geschichte zwar immer noch eine Rolle, aber wichtiger wurde die „apokalyptische Furcht“ vor dem Zorn Gottes beim „jüngsten Gericht“, die Sorge um das eigene Seelenheil und die Angst vor der „ewigen Verdammnis“.
An der (Kirchen-) Geschichte lässt sich ablesen, wie sich Gottesbilder auswirken, die mit Angst, Zwang und unbarmherziger Härte gegen „Gläubige“ und „Fremde“ vereinbar sind. Auch aktuell gibt es dafür Beispiele, die durchaus das Potential haben, „apokalyptische“ Befürchtungen zu wecken.